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Frauen an der Börse: Interview mit drei Anlageberaterinnen

Immer mehr Frauen investieren ihr Geld in Fonds. Dabei sind sie im Schnitt sogar erfolgreicher als Männer. Trotzdem geben sie die Verantwortung für ihre Finanzen und den Vermögensaufbau oft noch ab. Das muss sich ändern, wie die Erfahrungen unserer Anlageberaterinnen zeigen.

Stefanie Haermeyer 08.03.2022 6 Min Lesezeit

Los geht´s mit Julide Pothmann.

Sie berät seit über 25 Jahren Kunden zum Thema Kapitalanlagen und Investment. 

Julide, warum ist es Ihrer Meinung nach wichtig, dass sich in Beziehungen jeder selbst um seine Finanzen, speziell die Altersabsicherung kümmert?

Letztlich geht es darum, Verantwortung zu übernehmen. Ob gemeinsam oder jeder für sich ist dabei nicht entscheidend. Im Leben läuft nicht immer alles nach Plan, darum ist es wichtig, überhaupt vorzusorgen. Das gilt für Verheiratete genauso wie für alle anderen Formen des Zusammenlebens. Gerade weil Lebensläufe heute so vielfältig sind, sollte jeder seine Finanzen, besonders die Altersvorsorge immer im Auge behalten.

Statistiken zufolge ist das Thema Finanzen häufig ein Tabuthema in Beziehungen. Viele Frauen verlassen sich auf ihren Partner. Haben Sie diese Erfahrung auch in Ihren Beratungen gemacht?

In jeder Partnerschaft ist es so, dass einem von beiden das Thema Finanzen mehr liegt. Aber es ist auch ein strukturelles Problem. Es gibt teilweise große Einkommensunterschiede zwischen Männern und Frauen. Dazu kommen berufliche Auszeiten, die meist die Frauen übernehmen. Daher scheint es für viele immer noch normal zu sein, dass der, der mehr Geld verdient, auch die Finanzen regelt. Das ändert sich allerdings zunehmend.

Was meinen Sie damit?

Viele Mütter gehen heute früher bzw. überhaupt wieder arbeiten und leisten damit einen wichtigen Beitrag zum Familieneinkommen. Das sah vor 20 Jahren noch ganz anders aus. Meinem Gefühl nach hat bei Frauen auch das Thema Altersvorsorge einen höheren Stellenwert bekommen.

Was sind für Sie typische Lebensabschnitte, in denen Paare eine Anlageberatung brauchen?     

Bei allen größeren gemeinsamen Plänen, zum Beispiel einem Hauseinkauf, der Geburt der Kinder oder bei Erbschaften. Letzteres ist übrigens ein Thema, bei dem man sieht, dass sich in vielen Familien nur der Mann um Finanzen kümmert. Verstirbt er, merkt man die Hilflosigkeit der Ehefrauen, weil sie sich nicht auskennen, weder mit Finanzen allgemein noch konkret mit denen des verstorbenen Mannes.

Gibt es ein Kundenerlebnis, das Ihnen besonders in Erinnerung geblieben ist?

Ja. Ich habe vor über drei Jahren ein Paar beraten, es ging um eine größere Anlagesumme. Bei der Risikobereitschaft entbrannte plötzlich eine heftige Diskussion zwischen den beiden. Im Anlagevorschlag habe ich, so gut es ging, beide Positionen berücksichtigt. Das Paar eröffnete auch ein Depot, aber die Diskussion hatte ich noch länger im Kopf. Vor ein paar Monaten habe ich zufällig wieder mit dem Herrn telefoniert. Er erinnerte sich noch gut an unser Gespräch und war sehr zufrieden mit der Depotentwicklung. Die Frau war im Hintergrund und ließ mich herzlich grüßen. Darüber habe ich mich sehr gefreut.

Über Geld, Vorsorge und andere Familienangelegenheiten

Wer heutzutage Informationen über Kapitalanlagen braucht, findet viel im Internet. Gerade für Laien ist es aber oft nicht leicht, die wichtigen und richtigen Informationen für sich heraus zu filtern. Gut, wenn man jemanden fragen kann, zum Beispiel innerhalb der Familie. Katja Ahrens-Wulff ist verheiratet, hat zwei Kinder und arbeitet seit 1998 im Kundenservice für Investmentthemen.

Katja, Hand aufs Herz: Wer hat bei Ihnen zu Hause „die Macht über die Finanzen“?

Allein hoffentlich niemand (lacht). Ich bin allerdings diejenige, die aufgrund des beruflichen Backgrounds die Möglichkeiten besser kennt. Dabei ist mir wichtig, alles mit meinem Mann zu besprechen und abzustimmen. Als ich beruflich auf Teilzeit umstieg, haben wir beispielsweise gemeinsam entschieden, eine zusätzliche Altersvorsorge für mich abzuschließen.

Kommt es eigentlich oft vor, dass Freunde oder Bekannte Sie um Rat bei ihrer Finanzplanung fragen?

Tatsächlich kommt das eher selten vor. Typisch deutsch: Über Geld spricht man nicht (gern). Hinzu kommt die auch in meinem Umfeld verbreitete Annahme „von Finanzdingen eh keine Ahnung zu haben“ und deshalb nicht mitreden zu können. Das ist fatal, denn nur wenn man über Geld, Geldanlagen und Altersvorsorge redet, kann man sein Wissen erweitern und dementsprechend handeln.

Sprechen Sie mit Ihren Kindern über deren finanzielle Situation?

Ja, wenn die Kinder es möchten, immer gern. Damit haben wir früh angefangen. Mittlerweile sind sie 24 und 26 Jahre alt, verdienen ihr eigenes Geld und die Themen sind natürlich vielfältiger. Neben Sparen mit staatlicher Förderung geht es auch konkret um Fragen zur Altersvorsorge, zum Beispiel ob man eine Wohnung besser kauft oder mietet.

Und welche Finanz-Tipps geben Sie Ihren Kindern, speziell Ihrer Tochter privat?

Ohne Scheu über Geld zu reden, vor allem innerhalb einer Partnerschaft. Aufpassen, dass sie nicht in finanzielle Abhängigkeiten geraten. Auch in Beziehungen immer einen eigenen Notgroschen anzusparen und ein eigenes Girokonto behalten. Und ich rate ihnen, sollten sie je eine Kreditaufnahme erwägen, lieber ein paar Nächte länger drüber zu schlafen.

Willkommen auf dem Parkett! Tipps für Ihren erfolgreichen Börsenauftritt

Frederike Clara Götz ist 24 Jahre alt, aber schon seit sechs Jahren „im Geschäft“. Frederike haben wir gefragt: Was sind die häufigsten Kundenfragen, die Ihnen immer wieder gestellt werden? Und wie lautet Ihre Antwort darauf?

Welchen Fonds können Sie mir grad empfehlen?

Das können wir nur in einem individuellen Beratungsgespräch herausfinden. Dazu gehören verschiedene Faktoren, die wir erst mal zusammen ausloten müssen.

Sind die Einstiegskurse an der Börse im Moment gut?

Den richtigen Einstiegszeitpunkt gibt es an der Börse nicht. Natürlich ist es gut einzusteigen, wenn die Kurse gerade fallen oder niedrig sind. Ob und wann das passiert, kann aber niemand vorhersehen – und ob etwas günstig ist, lässt sich nur in der Rückschau vergleichen.

Welche Kosten habe ich beim Investieren?

Bei uns gibt es ein jährliches Depotentgelt, abhängig vom Depotvolumen. Außerdem zahlen Sie bei Investmentfonds in der Regel einen sogenannten Ausgabeaufschlag beim Kauf.

Gibt es Vertragslaufzeiten oder Kündigungsfristen?

Nein, es gibt keine Vertragslaufzeiten und auch keine Kündigungsfristen. Sie können Ihre Fondsanteile jederzeit kaufen und verkaufen, sogar online.

Wie kann ich mein Depot verwalten?

Am besten online, bei uns über ONVEST, dem digitalen Anlageberater. Von der Risiko-Profilanalyse über die Depoteröffnung, sämtliche Transaktionen bis hin zu einem Online-Postfach ist eine Depotverwaltung 24/7 möglich. 

Hier gelangen Sie direkt zu ONVEST.

Gibt es typische Anlegerfehler, die man vermeiden kann?

Ja. Der größte Fehler ist gar nicht an der Börse aktiv zu sein. Direkt in einzelne Wertpapiere zu investieren, kann Spaß machen, aber auch in einem Totalverlust enden. Bei ernst gemeinten Anlagezielen sollte man das Handeln lieber den Experten überlassen. Die haben die Märkte international viel besser im Blick und können Chancen und Risiken eher ausbalancieren.

Die besten Börsen-Tipps unserer Beraterinnen

  • Investieren Sie nur Geld, das Sie haben und nicht zum Leben brauchen.
  • Setzen Sie sich Anlageziele und ermitteln Sie Ihre persönliche Risikoklasse.
  • Zur Risikobegrenzung ist der Erwerb eines Fondsportfolios immer besser als der Kauf einzelner Titel.
  • Haben Sie Geduld, tätigen Sie keine unbedachten Zu- und Verkäufe oder Portfolioanpassungen ohne Beratung.
  • Warten Sie nicht länger, investieren Sie jetzt. Je früher Sie starten, desto ertragreicher sind Kapitalanlagen in der Regel.

Und wie steht es um Ihre Finanzen?

Die anhaltende Niedrigzinsphase, Negativzinsen und eine steigende Inflation belasten schon heute Ihre Ersparnisse. Wer nur auf Tagesgeld, Festgeld oder Sparbücher setzt, verliert jeden Tag Geld. Wer hingegen in Wertpapiere investiert, hat zumindest die Chance auf gute Renditen.

Wie gut sind Sie und Ihre Herzensmenschen finanziell aufgestellt? In einem unverbindlichen Beratungsgespräch optimieren wir gern Ihre Möglichkeiten.

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